Auf gute Nachbarschaft

Das Konzept der Mischkultur im Gemüseanbau ist eine sehr alte und vielfach erprobte Technik, die heute neue Beliebtheit erfährt – und das zurecht wie wir meinen. Verschiedene Pflanzen werden, anders als in der weit verbreiteten Monokultur, auf einer Fläche in direkter Nachbarschaft gepflanzt. So wird nicht nur unsere Ernte vielfältiger, sondern wir beugen z.B. auch Bodenmüdigkeit und die Verbreitung von Krankheiten vor.

Im Mischkultur-Workshop gab uns Laura Schöneberg einen Überblick zu verschiedenen Anbaukonzepten, Mischkulturen und Fruchtfolgen. Wir gingen der Frage nach wie Mischkultur uns im eigenen Garten oder auch in der Landwirtschaft unterstützen kann und was es bei einer Anbauplanung zu beachten gilt.

Das konkrete Beispiel einer Anbauplanung im Gemeinschaftsgarten, sowie die Durchführung einer Planung an eigenen realen Beispielen halfen uns die Theorie zu verinnerlichen und in die Praxis zu überführen.

Vielen Dank an Laura, die uns als Permakultur Designerin wertvolle Einsichten auch über das Thema hinaus mitgab.

Hallo autarkes Solarleben

Am Samstag sind wir im Gemeinschaftsgarten Wurzelwerk zusammengekommen, um unsere Kenntnisse über Strom und autarke Energiesysteme mit Solarenergie zu erweitern. Einige von uns wollten Wissen sammeln, um autark in ihren Bauwägen und Gartenhütten Energie produzieren zu können. Manche hatten einfach so Interesse – auf jeden Fall konnten alle eine Menge lernen. Unserem Referenten, Marcus Heeg, ist es gelungen, uns alle, auch diejenigen ohne große elektrotechnische Vorkenntnisse, mitzunehmen und für Solarstrom zu begeistern. Nachdem wir einmal ganz grundlegend darüber gesprochen hatten, was Strom eigentlich ist und welche Kenngrößen wichtig sind, sind wir zu wichtigen Vorüberlegungen übergegangen: Was für eine Batterie und welche Solaranlagengröße brauche ich, um meinen täglichen Energiebedarf zu decken? Und das am besten natürlich nicht nur an sonnigen Tagen. Mit ein paar Faustregeln und den richtigen Kenngrößen verlieren wir uns dabei nicht komplexen Formeln über Wirkungsgrade und bleiben auf einem praxis- und bastlertauglichen Level.

Neben der Theorie erfuhren wir vieles über Verkabelung und konnten selbst ausprobieren, wie wir Kabelenden verlöten oder vercrimpen. Und auch Spaß, Spannung und Sicherheit gehen Hand in Hand, wenn die Folgen eines Kurzschlusses, also die direkte Verbindung von + und – ohne Verbraucher dazwischen, so anschaulich, wie hier im Foto zu sehen, demonstriert werden.

Nach dem Mittag ging es ans Verkabeln der Solaranlage, die Marcus mitgebracht hatte. Auf ein sonniges Plätzchen gestellt produzierte sie Energie und brachte ein LED Lämpchen zum Leuchten und den Lötkolben zum Glühen. Mithilfe des Versuchsaufbaus und Messgeräten konnten wir experimentieren und stellten fest, dass schon ein kleiner Schattenwurf auf die Solarzellen erhebliche Energieeinbußen mit sich bringt. In diesem Zuge erklärte uns Marcus auch, wie wir Alterungserscheinungen erkennen. Mit Sorgfalt ausgewählt sind auch gebrauchte Solarmodule absolut tauglich – die meisten haben auch nach 20 Jahren Betriebszeit noch 80% ihrer Leistungsfähigkeit! Marcus stattete uns noch mit allen weiteren Infos aus, sodass wir jetzt in der Lage sind, die benötigten Teile nachhaltig und funktional auf Kleinanzeigenportalen zu schießen.

Trotz des riesigen Inputs hatten wir viel Zeit, unsere Fragen zu stellen und dadurch mit den Anliegen und Problemstellungen unserer Projektvorhaben weiterzukommen. Einige von uns werden mit dem erlernten Wissen vielleicht in ein paar Jahren in ihre Gartenhütte ziehen, andere werden jetzt sofort los- oder weiterbauen.

Mit vielen praktischen Tipps an der Hand fühlen wir uns nun gut vorbereitet und motiviert, unser eigenes autarkes Energiesystem auf dem Bauwagen- oder Gartenhüttendach zu installieren. Tschüss teure Energieversorgung – hallo autarkes Solarleben!

In den Startlöchern…

Na schaut ihr auch in den Schnee und wünscht euch den Frühling herbei? Als kleines Appetithäppchen hier ein kleiner Rückblick auf unseren Wildstauden-Workshop letzte Saison. Anna hat auf ihrem Blog einen liebevoll zusammengestellten Beitrag veröffentlicht, wie eine kleine Wildnis in der Stadt anlegt werden kann. Große Empfehlung von uns! Schaut’s rein und lasst euch von ein bisschen Frühjahrs Vorfreude anstecken. Bald gehen bei uns die ersten Planungswerkstätten der Gärten los und eh wir uns versehen kommt schon der Frühling!

Danke an Anna Oppermann für das schöne Bild.

Compost is for lovers

Diesen Sonntag wurde kunstvoll komponiert äh… kompostiert in der Alten Gärtnerei. Nicht umsonst haben die beiden Wörter denselben Ursprung (lat. componere = zusammenstellen), denn auf eine ausgewogene Zusammenstellung kommt es an, will man einen guten Kompost anlegen.

Aber Moment – was meint denn eigentlich guter Kompost? Um das zu erfahren, hatten wir Robert Strauch vom zukunftsFähig e.V. eingeladen. Er dirigierte mit Sebastian aus dem Gärtnerei Team das Orchester aus 16 motivierten Teilnehmenden sicher durch die drei Sätze Kompost-Kompositionen.

Der erste Satz begann ganz piano mit Kompost- und Humus-Kunde:
Ziel des Kompostierens ist es, aus organischen Abfällen lebendige Erde mit hohem Humusanteil und reichem Bodenleben herzustellen. Dafür braucht man eine vielfältige Mischung an Stoffen und Strukturen und das richtige Kohlenstoff – Stickstoff Verhältnis. Praktisch heißt das, möglichst viele unterschiedliche Rohstoffe, die in dünnen (lockeren!) Schichten aufgetragen werden. Das können Küchenabfälle, Grünmasse, Laub (eher wenig), (gehäckselte) Äste und Mist sein. Angereichert werden die Materialien mit Hohlzasche und Steinmehl zur Versorgung mit Mineralien. Sogenannter Referenzkompost (also solcher der schon durch und gelungen ist) gibt guten biologischen Start und auch lehmige Erde oder Tonpulver erhöhen die Qualität (Stichwort: Ton-Humus-Komplexe, wer noch weiter recherchieren mag). Der Kompost sollte zudem feucht gehalten werden, denn zu trocken verlieren die Mikroorganismen die Freude an ihrer Arbeit. Wer richtig viel wert auf gutes Handwerk legt, lässt nicht den Zufall entscheiden, welches Material zum Zeitpunkt des Kompost Schichtens vorhanden ist: denn Liebhaber des guten Komposts sammeln das ganze Jahr über und bauen ggf. noch ergänzende Ressourcen an.

Beim zweiten Satz wurde es praktisch. Unter Anleitung von Robert und Sebastian und mit der mitreisenden Tatkraft der Teilnehmenden entstand in kürzester Zeit eine 4m x 1,5m Kompost-Miete. Die erste Schicht bildete grobes Material wie Äste, das sorgt für eine gute Durchlüftung, Kompostierung ist schließlich ein aerober Prozess. Anschließend folgten in dünnen Schichten, Stroh, Grünzeug, Sägespäne, teilweise verrottete Küchenabfälle, Gesteinsmehl, Tonpulver. Anfangs noch vorsichtig, steigerte sich der Prozess, um die Miete im Grande Finale mit einer schützenden Schicht Stroh zu vollenden.

Den Abschluss bildete noch eine Runde für offene Fragen, so dass alle mit viel neuem Wissen und Lust auf eigene Projekte nach Hause gehen konnten. Wer Lust hat, schaut in einem halben Jahr mal vorbei, dann sollte von dem riesen Kompost nicht mehr viel über sein als gute Erde.

Auf gute Nachbarschaft – Küchenkräuter im Hochbeet

Nahezu unendliches biologisches Wissen und eine Leidenschaft für das passende Rezept zu jedem Kraut durften wir beim Workshop “Küchenkräuter” mit Eike Wulfmeyer genießen. Nach kurzer theoretischer Einführung ging es daran, Beetpläne zu erstellen: Kleinere Pflanzen eher im Süden, die höheren dahinter – so bekommen alle genug Licht. Spannend wurde es, als wir uns mit den Wechselwirkungen der Pflanzen untereinander beschäftigt haben. Schaffen wir es sie möglichst so zu verteilen, dass sich keine negativ beeinflussen und sich möglichst viele gegenseitig im Wachstum unterstützen? Um das herauszufinden hatte Eike uns sein Mischkulturen-Diagramm mitgebracht, das den Einfluss von Kräuter untereinander darstellt. Unser Beetplan Version 3.0 steht und wir müssen immer noch feststellen: ganz perfekt ist es noch nicht, aber für die Praxis reicht es.

Also ran ans Beet und erstmal befüllen. Eines mit Humus und frischem Kompost, für Kräuter, die es feucht und nährstoffreich mögen. Eines mit Humus und Sand für die, die keine Lust auf nasse Füße haben. Anschließend geht es daran die Stecklinge zu pflanzen und Samen zu säen. Dabei haben wir noch gelernt, dass Petersiliensamen schneller keimen, wenn man sie in warmes Wasser einlegt. Es entzieht ihnen das enthaltene Öl, welches sie vor zu schnellem auskeimen schützt. Ist der Boden nur kurze Zeit feucht würden die Jungpflanzen sofort vertrocknen. Erst wenn der Boden längere Zeit richtig feucht ist (und den Samen langsam das Öl entzogen hat), hat er vermutlich genug Wasser gespeichert, damit die Jungpflanzen durchkommen. Damit mit uns der Boden selbst nicht zu schnell austrocknet, nachdem wir ein bisschen nachgeholfen haben, gab es für die Aussaat noch ein Mini-Gewächshaus aus halbierten Plastikflaschen.

Insgesamt war es ein lehrreicher Einblick in die Welt der (Wild-)Kräuter, wobei wir Dank Eikes vielen Rezepttipps gelernt haben, dass zwischen Unkraut und Kräutern nicht so viel um ist. Oder um es mit den Worten einer Teilnehmerin zu sagen: “Und nebenbei habe ich gelernt, dass ich mein Unkraut lieber essen sollte anstatt es rauszureißen”. Und wir freuen uns über zwei frisch bepflanzte Hochbeete vor der Koko Workshopküche.

Ein bunter Nachmittag im Grünen – Hula Hoop Workshop

And the world goes round… vielleicht nicht gleich die ganze Welt aber zumindest im Wurzelwerk ging es rund, als wir mit Nelly verschiedenste Bewegungen mit dem Hula Hoop probierten. Doch bevor wir damit starteten den Hoop auf den Hüften zu halten, lernten wir die verschiedenen Reifen mit ihren Eigenschaften kennen. Je kleiner und leichter, desto schneller dreht er sich. Das macht es unter Umständen schwieriger neue Bewegungen zu erlernen. Nachdem jede die verschiedenen Hoops selbst beschnuppert und ausgetestet hatte, konnten wir uns unseren Favoriten für die ersten Versuche ausleihen. Wir starteten damit ihn auf den Hüften zu halten (oder es zu versuchen). Bevor uns langweilig oder der Frust zu groß wurde, wechselte Nelly zu weiteren Techniken und Tricks für die wir Hände und Arme nutzten. Nelly schaffte es immer wieder uns abzuholen und mitzunehmen und gestaltete einen bunten (oder um es mit ihren Worten zu sagen zauberhaften) Nachmittag im Wurzelwerk, der auch von einem Regenschauer nicht getrübt werden konnte, vor dem wir in den überdachten Workshop-Space flüchteten.

Aus alt mach neu – Do-it-yourself-Design aus Altholz

Neue Stühle für die alte Gärtnerei sollten her. Am besten schick, noch besser auch gemütlich und im besten aller Fälle möglichst ressourcenschonend. Wie passend, dass wir noch einen Haufen Altholz im Garten liegen hatten. Um zu Lernen wie man daraus stabile und handwerklich hochwertige Stühle baut, dafür hatten wir Christian eingeladen. Er begleitete eine energiegeladene Gruppe Teilnehmende mit seinem Wissen und seiner Unterstützung durch einen interessanten Tag voller Aha-Momente und guter Laune.

Entstehen sollte das Modell Sedia-Uno des italienischen Designers Enzo Mari. Er war der Meinung, dass gutes Design für alle verfügbar sein sollte, veröffentlichte mit dem Buch Autoprogettazione seine Baupläne und beeinflusste damit die Do-it-yourself-Bewegung. Da wir jedoch nicht einfach im Baumarkt alle entsprechenden Hölzer kaufen wollten, war die erste Aufgabe das vorhandene Holz zu sichten und den Bauplan an die Maße der vorhandenen Bretter anzupassen.

Nachdem diese gemeistert war und jede:r seine:n individuellen Konstruktionsplan erstellt hatte, ging es an die praktische Umsetzung. Christian hatte alle Werkzeuge dabei und wir begannen damit unsere Bretter zuzusägen, zu hobeln, schleifen, hämmern, bohren, schrauben… So kam es, dass die eine voller Stolz das erste Mal mit einer Stichsäge arbeitete, der andere lernte wie man einen Hobel verwendet und wiederum andere die Vorzüge einer Japansäge zu schätzen lernten. Diese sägt auf Zug, statt wie ein Fuchsschanz auf Druck. Wer den Unterschied einmal erfahren hat, wird sie nicht mehr missen wollen. Wahrscheinlich jede:r konnte ihre Kenntnisse erweitern und mit viel Begeisterung entstanden zehn neue Stühle für Wurzelwerk und Koko, sodass es sich jetzt noch schöner verweilen lässt.

Besten Dank an alle für einen anstrengenden Tag voller Lacher und guter Laune. Wer nicht dabei sein konnte: Kommt vorbei und sucht euch unter all den Unikaten euren Lieblingsstuhl. Ein kleiner Blick unter darunter verrät euch auch, wem ihr die Sitzmöglichkeit zu verdanken habt.