Die Arbeit, die wieder verbindet

In all den globalen Krisen weißt du manchmal gar nicht mehr, wo oben und unten ist?

Du kennst Gefühle von Abgetrenntsein, obwohl du dich eigentlich nach Verbindung sehnst?

Dein Körper sehnt sich nach draußen und von dir wirklich gespürt zu werden?

So ging es den meisten von uns auch, die sich gestern in der Heide zu einem Workshop unter dem Titel “Deep Adaptation – Radikal lebendig in Krisenzeiten” trafen.

Wir tauchten für ein paar Stunden in die Lebendigkeit des Waldes, und in die Gefühle ein, die auftauchen, wenn wir erlauben, die Dinge, die wir längst wissen, wirklich an uns heranzulassen. Denn: “Radikal im Sinne von radix, Wurzel, heisst, das wir an die Wurzeln müssen. Also erstmal zu den Bäumen, in den Wald. Und danach an unser eigenes Weltbild.”

Das sagt die Anne Wiebelitz-Saillard, die den Workshop aufmerksam leitetete und sehr inspirierend gestaltete. Sie ist Wildnispädagogin und ausgebildete naturzyklische Prozessbegleiterin im transformation-in-natura©-Ansatz.

Wir arbeiteten mit Übungen aus der Tiefenökologie, bei denen wir unsere Gefühle über den Zustand der Welt und unsere Rolle darin ergründen und teilen konnten. Dabei geht es darum, zu erspüren: wie bin ich, wie sind alle da draußen lebendig, wenn die Welt im Krisenmodus ist? Besonders berührend dabei war, zu erleben, dass es den anderen oft genauso geht, wie mir selbst – wir alle sind mal mehr mal weniger belastet und erschöpft von den Krisen, in denen wir leben und empfinden Angst, angesichts der Erkenntnis, dass unsere globalen Krisen unser Überleben in Frage stellen – und dass das Teilen dieser Gefühle Vertrauen, Kraft und Inspiration erzeugen kann.

Teil des Workshops war auch ein ausgedehnter Naturgang sein, in dem wir mit einem Impuls allein im Wald unterwegs waren und die Verbindung des Lebens um uns herum und in uns wahrnehmen konnten.

So konnte ein Raum entstehen, in dem wir unsere Verantwortung für eine kleine Weile ablegen, oder vielmehr bewusst teilen konnten, um unsere Kraftquellen wieder zu finden.

Wieder was gelernt – Baumschnitt

Baumschnitt ist ein Thema, über das es viele verschiedene Meinungen und noch mehr Anleitungen gibt.

Eine sehr belesene und fundierte Meinung hat Gartenbauingenieur Volker Croy und so hörten wir ihm am Samstag aufmerksam bei seiner Anleitung zu.

Im Workshop Baumschnitt half er uns zunächst mal mit anschaulichen Sprachbildern zu verstehen, warum man und welche Bäume man überhaupt schneiden sollte und wenn ja, zu welchen Jahreszeiten. Dann erklärte er uns, wie Bäume auf Schnitte grundlegend reagieren. Mit diesem Wissen kann man sich theoretisch jeweils die passende Schnitt-Vorgehensweisen für den jeweiligen Baum und das jeweilige Schnittziel ableiten.

Praktisch ist das natürlich immer nochmal eine andere Frage. Um uns dabei zu helfen, es anwenden zu können, zeigte er uns viele Beispiele in der Gärtnerei und erzählte die eine oder andere einprägsame Annekdote, von der Schnittpraxis verschiedener Hobbygärtner*innen, bis hin zum Obstanbau im Mittelalter. Als Abschluss des theoretischen Teils erklärte er uns, welches Werkzeug man wofür benutzt und welches lieber nicht, woran man gutes Werkzeug erkennen kann, und für welche billigen Werkzeuge man viel Geld ausgeben kann.

Bei schönstem Frühlingswetter konnten sich dann alle mal an die Scheren und Sägen trauen und das Gelernte an den Bäumen in Gärtnerei und Wurzelwerk ausprobieren.

Alle sind herzlich eingeladen, nächstes Jahr wiederzukommen und noch mehr daraus zu lernen, wie die Bäume tatsächlich reagiert haben.

Vielen Dank an Volker und alle, die den Workshop möglich gemacht haben!

Saisonauftakt bei April-Wetter

Am Samstag eröffneten wir die neue Gartensaison im Wurzelwerk mit einer kleinen Planungswerkstatt.

Dazu waren alle eingeladen, die Lust haben, den Garten in diesem Jahr mitzugestalten und zu pflegen.

Anfangs sah es so aus, als würden die unberechenbaren Regenschauer die meisten Leute fernhalten, aber dann kamen wir doch noch zu achtzehnt zusammen und die Sonne lachte :-)

Nach einer Vorstellungsrunde und einem Überblick darüber, wie der Garten in den Verein UFER-Projekte eingebunden ist, machten wir einen ausgedehnten Gartenrundgang, bei dem die physischen und organisatorischen Strukturen des Gartens erklärt wurden.

Danach teilten wir gemeinsam Ideen und Träume, was jede*r dieses Jahr gerne im Garten entstehen lassen würde. Dabei kam eine bunte Sammlung zustande, vom Lehmofen für die Gartenküche, übers Sommerfest bis hin zu Bastelnachmittagen.

Nachdem alle festgehalten waren, damit sie in den folgenden Gartenplena besprochen werden können, schauten wir uns einige der Ideen schonmal zusammen tiefergehend an und besprachen, wie es damit weitergehen kann.

Danach wurde gemeinsam noch ein bisschen gegärtnert und dann gab es ein Picknick am Lagerfeuer.

Vielen Dank an alle, die dabei waren und alle, die den Tag mit vorbereitet haben!

Auf in die neue Saison :-)!

Flexen und Schweißen for Future

Am 30. Oktober haben wir in einem Workshop unter der Anleitung von Fabian und Julia Flexen und Schweißen und noch ein bisschen was über andere Techniken der Metallbearbeitung gelernt.

Wir durften dafür die großartige Metallwerkstatt der Werkstadtpirat*innen im Rosenwerk nutzen, wo wir Winkelschleifer, Schweißgeräte, Metallschrott zum Üben und alles, was wir sonst so brauchten, gefunden haben.

Den Workshop wollten weit mehr Leute besuchen, als wir Plätze vergeben konnten, es scheint also ein wichtiges DIY-Thema zu sein.

Hier mal ein paar – sehr grob recherchierte – Zahlen zur Orientierung, warum das Selberbasteln mit Altmetall so sinnvoll sein kann:

  • Die Stahlproduktion verursachte 2018 ungefähr 8% der globalen Treibhausgas-Emissionen. (1)
  • Um ein Kilogramm Stahl herzustellen, werden ungefähr 1,7kg CO2-Äquivalente freigesetzt. (2) Das entspricht ungefähr 8,5km Autofahrt. (3)
  • Der Energieaufwand dafür liegt bei ungefähr 800Wh pro Kilogramm. (4)
  • Das ist aber nur das, was die Hochöfen brauchen und freisetzen. Dazu kommt natürlich noch der Aufwand, im Erzbergbau tonnenweise Gestein auszubaggern und aufzutrennen, mit allen Auswirkungen, die das auf die Mitwelt hat, der Transport des Erzes zum Hochofen, der Transport von dort zur Veredelung, der Energieaufwand dort, der Transport zur Herstellung des Produktes daraus und der Transport von dort in den Laden. Für diese Kette gibt es leider keine richtigen Zahlen, aber ingesamt ist es natürlich ein Vielfaches.

Das Flexen und neu zusammen Schweißen von Altmetall verbraucht natürlich auch viel Energie. Deshalb finde ich es wichtig, sich zu überlegen, ob das, was man damit herstellen will, wirklich wichtig ist.
Aber im Vergleich dazu, wenn man neue Produkte kaufen würde, ist es doch sehr viel weniger.

  • Alleine mit den 800Wh von oben aus dem Hochofen könnte man mit einer durchschnittlichen Flex (800W) und einem durchschnittlichen Schweißgerät (3500W) grob über den Daumen gepeilt vielleicht eine halbe Stunde lang durchweg flexen und dann sechs Minuten durchweg schweißen. Mit so viel Arbeit kann man weit mehr als Kilogramm Stahl verarbeiten.

Wenn man damit also mit vorhandenen Materialien etwas sinnvolles herstellen (mit dem man im besten Fall sogar noch Emissionen vermeiden kann – ich denke nur mal z.B. an ein Lastenrad) und einen Kauf vermeiden kann, macht das doch echt Sinn :-)

Die Lerninhalte des Workshops hier widerzugeben, wäre glaube ich ein bisschen vermessen, zumal es viel mit Ausprobieren und Feedback bekommen zu tun hat – und es viel gibt, was man beim flexen und schweißen zur eigenen Sicherheit beachten sollte. Deshalb kann ich euch nur empfehlen, fragt bei Fabian und Julia oder den Werkstadtpirat*innen an, ob sie mal wieder einen Workshop geben wollen, oder wartet, bis wir mal wieder einen organisieren (unsere Fördermittel gehen gerade leider zu Ende, deshalb steht es noch in den Sternen, wann das wieder möglich sein wird).

Wir haben außerdem vor, ein Schweißgerät für die UFER Werkzeug-Allmende anzuschaffen (gute Winkelschleifer haben wir ja schon), aber da uns gerade ein paar Fördermittel doch wieder abgesagt wurden, müssen wir erstmal schauen, wie wir es finanzieren.

Solange (und natürlich weiterhin) könnt ihr auf jeden Fall die Werkstadt im Rosenwerk nutzen. Dort ist immer dienstags 16-20 Uhr Offene Werkstattzeit. Und es gibt dort auch eine Holzwerkstatt, eine Nähwerkstatt, eine Plastikwerkstatt, eine IT-Werkstatt, ein tolles Materiallager und vieles andere.

Ökologischer Fußabdruck und Naturverbindung

Hast du schonmal einen Test zum deinem persönlichen ökologischen Fußabdruck gemacht?

Wie hast du dich danach gefühlt?

Lagst du auch weit über dem Wert, den der Planet jeder Person durchschnittlich bereitstellen kann? Verbrauchst du auch mehrere Erden?

Was dachtest du, als du merktest, dass es einen großen Anteil in deinem Fußabdruck gibt, den du gar nicht direkt beeinflussen kannst, weil er aus öffentlicher Infrastruktur besteht. Oder als du gemerkt hast, dass viele Sachen, die du für ein ökologischeres Leben schon machst, gar nicht so viel Wirkung haben, wie erwartet?

Es gibt viele Möglichkeiten, diesen Schwierigkeiten auf intellektueller Ebene zu begegnen: neue Ansätze finden, den Fußabdruck weiter zu reduzieren; Gründe finden, warum das vielleicht alles nicht so wichtig ist; resignieren und die Menschheit abschreiben und viele andere.

Wenn man aber merkt, man bemüht sich schon lange und trotzdem ist man Teil des überverhältnismäßigen Naturverbrauchs, der zum größten Massenaussterben seit dem Ende der Dinosaurier und zur unkontrollierten Erhitzung des Planeten führt – kommt man manchmal an Grenzen des Denkens und Fühlens.

Normalerweise organisieren wir Workshops zu den praktischen Möglichkeiten, seinen Fußabdruck zu verkleinern. Am Samstag fuhren wir aber mal zu einem Workshop mit dem Fahrrad auf den Dresdner Heller, um dem Thema emotionalen Raum zu geben und neue Kraftquellen für Genügsamkeit zu finden.

Dort führte Anne Wiebelitz, die als Wildnispädagogin & Natur-Prozessbegleiterin arbeitet, uns durch mehrere Runden des Austausches zu unseren Gefühlen angesichts unserer Fußabdrücke.

Dann aber gab sie uns einen Impuls, mit dem wir anderthalb Stunden allein in den Wald gingen. Dort konnten wir in völliger Ruhe, ohne Druck, Struktur oder Theorien den nichtmenschlichen Wesen begegnen, die ja zur der Ganzheit gehören, die wir durch unseren Lebensstil gefährden. Was wir dort erlebten und erfahren konnten, möchte ich hier gar nicht ausführen. Darüber zu lesen würde es nur wieder intellektuell verzerren. So viel sei aber verraten: Wir alle kamen berührt, mit neuen Sichtweisen und einem tieferen Verständnis unseres Eingebundenseins wieder zusammen. Als wir die Essenzen unserer persönlichen Erlebnisse miteinander teilten, resonierten die Erzählungen in uns gegenseitig. Daraus entstand auch neue Energie, unsere Lebensweisen zu verändern.

Ich empfehle euch, einen solchen Kurs mit Naturgang selbst mal zu machen, den das Erleben ist ungleich mehr wert, als darüber zu lesen.

Wir werden ähnliche Angebote sicher mal wieder organisieren, denn sie ergänzen die praktischen um ebenso wichtige Ebenen, die grundlegend dafür sind, dass wir den Wandel zu nachhaltigerem Leben schaffen: Die Aussöhnung mit unseren Emotionen und die Stärkung unserer Intuition.

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P.S.: Anne hat beim uma Institut gelernt. Dessen Initiator:innen Ursula und David Seghezzi haben einen sehr einsichtsvollen Artikel über Transformationsmöglichkeiten aus naturzyklischer Sicht geschrieben.

Das Wurzelwerk tanzt

Gastbeitrag von Pia

Am Samstag feierten die Gärtner*innen des Wurzelwerk und ihre Freunde Sommerfest.

Der Garten hatte sich für seine Gäste herausgeputzt und auch das Wetter beschenkte uns mit Sonne.

Wir hatten den Singt-Pauli-Chor zu Gast, der uns mit Liedern aus aller Welt und dem Pop Genre zum Mitschwingen brachte.

Danach wurde das leckere, bunte Mitbringbuffet eröffnet.

In der glitzernden Abendsonne genossen wir Gespräche bei Lagerfeuer, Bier und Kleidertausch.

Danach brachte uns Winzlieb mit seiner Klezmer Combo zum Tanzen.

Wir danken allen, die diesen Abend gestaltet haben und freuen uns auf die nächste Sause.

Trocken bleiben – Der Herbst kommt

Passend zum immer feuchter werdenden Wetter haben wir uns letzte Woche im Workshop daran gemacht, unsere Holzmöbel vor Nässe und Witterung zu schützen.

Tobias Kaiser, begeisterter Holzhandwerker von der Manufaktur Hellerau, erzählte uns alles, was wir schon immer über natürlichen Holzschutz im Außenbereich wissen wollten – oder noch nie wussten, dass wir es wissen wollten, aber trotzdem spannend fanden :-)

Er erklärte uns vier verschiedene Grundansätze des Holzschutzes: Den natürlichen, den physikalischen, den chemischen und den thermischen. Ich versuche, euch das wichtigste hier wiederzugeben, weil ich mir natürlich nicht alles von Tobias’ weitreichendem Wissen merken konnte:

Natürlicher Holzschutz bedeutet, dass man zum Bauen im Außenbereich, am besten Hölzer verwendet, die von sich aus lange halten, weil sie Stoffe enthalten, die sie gut vor Witterungseinflüssen schützen. Dazu gehören Eiche (kann auch jahrhundertelang im Wasser stehen und Bauwerke tragen – siehe z.B. Speicherstadt in Hamburg), Ahorn (v.a. für Tische), Esche (v.a. für Werkzeugstiele), Robinie (da sie nicht gerade wächst, gibt es sie kaum als rechteckiges Sägeholz, sondern sie wird vor allem in ihrer natürlichen Form verwendet – siehe z.B. Gemeinschaftsgarten Johannstadt) und Lärche (v.a. als Konstruktionsholz, also lasttragend in Gebäuden, oder für Holzschindeln, mit denen man Dächer decken kann, ohne sie noch weiter behandeln zu müssen).

Zum physikalischen Holzschutz gehört zum Beispiel, dass man Bauwerke, die lange halten sollen, so baut, dass das Holz weitgehend vor Spritzwasser geschützt ist: deshalb haben Häuser unten einen Steinsockel und oben einen Dachüberstand. Wegen solcher baulichen Überlegungen spricht man hier auch vom konstruktiven Holzschutz. Dazu gehört auch, dass Holz, das Wasser abbekommt, möglichst stark geneigt ist, damit es schnell abläuft. Außerdem geht es aus physikalischer Sicht darum, das Sonnenlicht, v.a. die UV-Strahlung zu reflektieren, da sie Holz mit der Zeit verwittern lässt. Das macht man vor allem mit Holzöl und (möglichst hellen) Farben.

Chemischer Holzschutz kann, wie der Begriff vermuten lässt, einerseits Chemiekeulen umfassen, die alles, was gerne im Holz leben möchte (Insekten, Pilze, Schwämme, Flechten usw.) abtötet. Um Holz umweltfreundlich zu schützen und keinen Sondermüll zu erzeugen, benutzen wir die natürlich lieber nicht (bei manchen Bauwerken können sie sich aber lohnen, um sie nicht komplett abreißen zu müssen). Eine uralte natürliche Form des chemischen Holzschutzes ist das Ankohlen. Um z.B. Pfähle, die man in die Erde stecken möchte, haltbarer zu machen, kann man sie im Feuer soweit ankohlen, dass sie (nicht schwarz sondern) dunkelbraun werden. Dabei verringert sich der Wassergehalt, Nährstoffe, die für Kleinslebewesen interessant sein könnten, werden verbrannt die Struktur wird weniger wasserleitfähig. Auch eine natürliche Leinölfirnis ist ein bisschen chemischer Holzschutz, weil sie Gerüche verändert und die Oberflächenzusammensetzung schwieriger zum Anknabbern macht. Eine interessante Methode, die eher selten eine Rolle spielt, ist, auf natürliche Weise Holzwürmer aus alten Möbeln zu bekommen: Dafür legt man Eicheln ins Möbelstück, die einen für Holzwürmer unwiderstehlichen Geruch ausströmen. Sie kriechen dann in die Eicheln und nach ein paar Tagen kann man die einfach draußen entsorgen.

Und thermischer Holzschutz bedeutet, dass man Hölzer, Möbel oder Bauwerksteile entweder stark erhitzen, oder stark abkühlen kann. Das macht man, um Lebewesen, die das Holz zersetzen, abzutöten. Je nachdem, wie groß das ganze ist (eine Treppenstufe, ein Stuhl, oder eine Wand) gibt es dafür natürlich sehr unterschiedliche Möglichkeiten: Eine Kühltruhe, den Ofen, die Mikrowelle, einen Heißluftföhn, ein Hitzezelt, Wandheizgeräte, oder riesige Bau-Hitzestrahler. Temperaturen über 62°C töten die allermeisten Lebewesen ab, die dem Holz schädlich werden können. Kälte überleben viele besser, aber gegen manche hilft sie trotzdem.

Holzschutz mit Leinölfirnis

Das wichtigste Mittel für ökologischen unserer Holzmöbel im Außenbereich ist die Leinölfirnis. Sie wird schon seit Jahrtausenden angewandt, weil sie einfach herzustellen und ökologisch unschädlich ist. Kurz gesagt, wird nach der ersten Leinpressung, bei der das gesunde Leinöl zum Essen entsteht, ein zweites Mal gepresst. Unter Einsatz von Hitze kommt hier noch mehr raus und dieses Restöl ist dann für den Holzschutz geeignet. Es hat die Eigenschaft, bei Luftkontakt auszuhärten und damit eine Schutzschicht gegen Wasser, teilweise Sonnenlicht, Insekten, Bewuchs und Schläge zu bilden. Dazu wird es mit Verdünnern (Terpentin, Ethanol oder ähnliche) gemischt, damit es tiefer ins Holz einzieht. Dazu können evtl. noch weitere Öle oder Wachse kommen, die es besonders fest werden lassen.

Wenn man das ganze noch farbig werden lassen möchte, kann man natürliche Pigmente (meist aus Lehm) oder andere Farben dazumischen, die sich mit Öl verbinden. Ein regionales Beispiel ist das Pigment Lausitzer Ocker, das genau wie Leinöl also von gar nicht weit her kommen muss. Wenn etwa 5-50% Pigmente oder flüssige Farbe im Öl sind, spricht man von einer Lasur, bei über 50% Anteil dann von einer Holzfarbe. Aus ökologischer Hinsicht abzuraten ist von Lacken, da sie meistens umweltschädliche Stoffe enthalten und irgendwann abbröseln und so im Boden oder in Gewässern landen.

Um die Leinölfirnis gut auftragen und damit die Holzoberfläche möglichst stark versiegeln zu können, muss die Oberfläche vorher glatt geschliffen werden. Je nachdem, wie viel Wasser das Holz aushalten muss und je länger es halten soll, umso feiner sollte man es schleifen. Eine Küchenarbeitsplatte wird zum Beispiel mehrfach abwechselnd geschliffen und geölt, bis sie richtig glatt und fest ist. Für unsere selbstgebauten Gartensitzmöbel reicht uns ein Schliff mit einer relativ groben Körnung, z.B. 60 oder 80.

Als wir das geschafft hatten, trugen wir die Ölfirnis mit Pinseln und Farbrollen auf. Nach ungefähr 20 oder 30 Minuten Wartezeit nimmt man mit einem Lappen das überschüssige Öl ab, das nicht eingezogen ist, sonst wird die Überfläche klebrig.

Achtung: mit Leinöl getränkte Lappen können sich, wenn sie zusammengeknüllt sind, selbstentzünden. Hängt sie hinterher immer gut ausgebreitet auf (am besten draußen), damit sie trocknen können. Einen Tag später sollten sie dann ungefährlich sein. So könnt ihr sie später wiederverwenden, oder zum Anzünden von Ofen oder Lagerfeuer benutzen.

In einem zweiten Anstrich nach einem weiteren Theorieblock (oder wenn ihr es nachmacht, nach einer Wartezeit von mindestens einer weiteren Stunde) trugen wir dann Lasuren oder Farbanstriche auf. So entstanden diese wunderbar ökologisch geschützten bunten Holzstühle:

Frisch geölte und lasierte Gartenstühle. Die Stühle selbst wurden im vorherigen Workshop aus Altholz gebaut. Der Corona-Sicherheits-Abstand zwischen den fleißigen Teilnehmenden, sowie Referent Tobias (2.v.r.) wurde nur fürs Foto für ein paar Sekunden vernachlässigt ;-)

Übrigens funktioniert Leinölfirnis auch zum Auftragen auf Gartengeräte aus Metall und schützt sie vor Rost und Kratzern. Und auch um natürliche Textilien wasserabweisend, oder sogar wasserdicht zu machen, kann man Öle und Wachse verwenden. Wenn ihr z.B. eine wasserdichte Abdeckung im Garten braucht und keine Plastikgewebeplane verwenden möchtet, weil sie nach ein paar Jahren in Schnippsel zerfällt und im Wind Geräusche macht, könnt ihr auch eine alte Plane aus dickem Baumwollstoff nehmen (gibt es gebraucht vor allem aus alten Armeebeständen) und mit Leinölfirnis einpinseln. So wird sie wasserdicht und nach ein paar Tagen Trocknungszeit ist sie auch nicht mehr ölig. Für Kleidung funktioniert das so ähnlich, aber dazu vielleicht in einem späteren Workshop mal mehr.

Noch ein wichtiger Tipp: Wenn ihr Ölfirnis kaufen möchtet, lasst euch bitte nicht von Produktbezeichnungen wie “Holzöl” oder “Holzlasur” ablenken. Darin sind meistens alle möglichen nicht sehr ökologischen Zusatzstoffe enthalten. Schaut am besten nach “Leinölfirnis”.

Danke an Tobias für all das Wissen und die kleinen Leinölfirnis-Geschenke am Ende und an alle Teilnehmenden für den fleißigen Schutz unserer Stühle!

Gemüse, Gänse, Hühner, Kühe, Schafe und Solidarität

Am Sonntag fuhren und wanderten wir im Rahmen des Bildungsprojekts Qnoten auf den Schellehof im südöstlich von Dresden gelegenen Struppen.

Im Jahr 2014 haben die Bewirtschafter*innen des Schellehofes mit den ersten Mitgliedern den Lebenswurzel e.V. gegründet und eine Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) ins Leben gerufen.

Für die Selbstversorgung der Gemeinschaft stehen dem Hof aktuell ca. 70 ha zur Verfügung. Davon ist ca. die Hälfte Grünland (Weide und Futter) und die andere Häfte Ackerland (Lebensmittel, Futter, Gründüngung, Bienenweide) inklusive ca. 2 ha Gemüsebaufläche. Dazu etwa 30 Rinder, 20 Schafe, 100 Gänse, 200 Hühner und die Bienenvölker eines kooperierenden Imkers.

Inzwischen haben sich über 200 Menschen in der Solawi Schellehof zusammengefunden, die “ihren” Hof und diese Art Landwirtschaft zu betreiben finanziell sichern und sich die Erzeugnisse bedarfsgerecht teilen. Der dazugehörige Verein Lebenswurzel e.V. ist aus dem Wunsch entstanden, gemeinsam auf Augenhöhe gemeinnützige Projekte z.B. in Bereichen wie Umwelt-, Ernährungsbildung und Naturschutz zu realisieren sowie die Entwicklung und Erprobung neuer landwirtschaflicher Konzepte. SoLaWi fördert bzw. erhält ökologische, regionale, marktunabhängige Landwirtschaft und schafft mehr Nähe zwischen den an Ernährungsprozessen Beteiligten sowie gemeinsame Verantwortungsübernahme. Sie ermöglicht tiefe Einblicke und will Ernährung wieder zu einer persönlichen Sache zu machen.

Neben Gemüse, Eiern und Fleisch bekommen sie auch Mehl, oder aus diesem fertig gebackene Brote vom Bäcker aus Struppen.

Das Schellehof-Team folgt dem Anspruch natur-, umwelt- und ressourcenschonend zu arbeiten, Vielfalt und Bodenfruchtbarkeit zu fördern sowie Tierhaltung wesensgerecht zu gestalten. So werden für die Hühnerzucht zum Beispiel die männlichen Küken nicht, wie üblich, gleich nach dem Schlüpfen getötet, sondern auf einem Hof in der Nähe aufgezogen. Wer Eier essen möchte und sie beim Schellehof dazu bucht, muss entsprechend auch alle zwei Jahre ein Huhn und einen Hahn abnehmen und essen (oder verschenken). So kommt man wieder damit in Kontakt, was der Konsum bestimmter Lebensmittel eigentlich für Nebenfolgen erzeugt, die die Konsument*innen im normalen Handel einfach ausblenden.

Die Produzierenden (Bauern, Gärtner und Verarbeiter) wissen wieder, für wen sie Lebensmittel erzeugen und können genauer planen. Sie gewinnen mehr Freiheiten in der Art des Landwirtschaftens, da sie Risiken mit den AbnehmerInnen teilen (z.B. krumme Möhren, zu viele Zucchini, wetterbedingte Ausfälle). Außerdem haben sie durch die Vorfinanzierung für ein Jahr Planungssicherheit.

Abnehmer:innen können jede Woche frische, saisonale Lebensmittel in einem der Depots in Struppen, Pirna, Dresden-Plauen, Dresden-Striesen und Dresden-Neustadt abholen. Die Abnehmer*innen haben Transparenz bzgl. Anbaubedingungen und Finanzen, können mitentscheiden und durch die Nähe zu den Erzeugern außerdem Wissen über die Auswirkung ihrer Ernährung auf Mensch und Natur erlangen.

Wir waren begeistert von der Vielfalt der Bereiche, die das Team auf dem Hof unter einen Hut bekommt. Vielen Dank für die tolle Führung!

Ökologischer Fußabdruck und Naturverbindung

Hast du schonmal einen Test zum deinem persönlichen ökologischen Fußabdruck gemacht?

Wie hast du dich danach gefühlt?

Lagst du auch weit über dem Wert, den der Planet jeder Person durchschnittlich bereitstellen kann? Verbrauchst du auch mehrere Erden?

Was dachtest du, als du merktest, dass es einen großen Anteil in deinem Fußabdruck gibt, den du gar nicht direkt beeinflussen kannst, weil er aus öffentlicher Infrastruktur besteht. Oder als du gemerkt hast, dass viele Sachen, die du für ein ökologischeres Leben schon machst, gar nicht so viel Wirkung haben, wie erwartet?

Es gibt viele Möglichkeiten, diesen Schwierigkeiten auf intellektueller Ebene zu begegnen: neue Ansätze finden, den Fußabdruck weiter zu reduzieren; Gründe finden, warum das vielleicht alles nicht so wichtig ist; resignieren und die Menschheit abschreiben und viele andere.

Wenn man aber merkt, man bemüht sich schon lange und trotzdem ist man Teil des überverhältnismäßigen Naturverbrauchs, der zum größten Massenaussterben seit dem Ende der Dinosaurier und zur unkontrollierten Erhitzung des Planeten führt – kommt man manchmal an Grenzen des Denkens und Fühlens.

Normalerweise organisieren wir Workshops zu den praktischen Möglichkeiten, seinen Fußabdruck zu verkleinern. Am Samstag fuhren wir aber mal zu einem Workshop mit dem Fahrrad in die Dresdner Heide, um dem Thema emotionalen Raum zu geben und neue Kraftquellen für Genügsamkeit zu finden.

Im Workshop führte Anne Wiebelitz, die als Wildnispädagogin & Natur-Prozessbegleiterin arbeitet, uns durch mehrere Runden des Austausches zu unseren Gefühlen angesichts unserer Fußabdrücke.

Dann aber gab sie uns einen Impuls, mit dem wir anderthalb Stunden allein in den Wald gingen. Dort konnten wir in völliger Ruhe, ohne Druck, Struktur oder Theorien den nichtmenschlichen Wesen begegnen, die ja zur der Ganzheit gehören, die wir durch unseren Lebensstil gefährden. Was wir dort erlebten und erfahren konnten, möchte ich hier gar nicht ausführen. Darüber zu lesen würde es nur wieder intellektuell verzerren. So viel sei aber verraten: Wir alle kamen berührt, mit neuen Sichtweisen und einem tieferen Verständnis unseres Eingebundenseins wieder zusammen. Als wir die Essenzen unserer persönlichen Erlebnisse miteinander teilten, resonierten die Erzählungen in uns gegenseitig. Daraus entstand auch neue Energie, unsere Lebensweisen zu verändern.

Ich empfehle euch, einen solchen Kurs mit Naturgang selbst mal zu machen, den das Erleben ist ungleich mehr wert, als darüber zu lesen.

Wir werden ähnliche Angebote sicher mal wieder organisieren, denn sie ergänzen die praktischen um ebenso wichtige Ebenen, die grundlegend dafür sind, dass wir den Wandel zu nachhaltigerem Leben schaffen: Die Aussöhnung mit unseren Emotionen und die Stärkung unserer Intuition.

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P.S.: Anne hat beim uma Institut gelernt. Dessen Initiator:innen Ursula und David Seghezzi haben einen sehr einsichtsvollen Artikel über Transformationsmöglichkeiten aus naturzyklischer Sicht geschrieben.

Kinoabend und Kleidertausch trotz Regen

Am Samstag lud das Wurzelwerk ein, nicht mehr gebrauchte Kleidung zu tauschen und danach zum Kinoabend im Folientunnel zusammenzukommen.
Gezeigt wurde die Doku Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen. Der Film zeigt großflächig erfolgreiche Ansätze für nachhaltigere Lebensweisen auf verschiedenen Kontinenten.
Trotz des Regens kamen viele Leute zum Kleidertauschen vorbei. Für den Film hatten wir eine Anmeldung geschaltet, um corona-konform nicht zu viele Leute anzuziehen. Von den 50 Angemeldeten kamen leider nur 20, die aber zusammen einen schönen Filmabend hatten.
Wir überlegen jetzt, Filmabende im Winter im großen Raum des UFER-Büros im Hechtviertel anzubieten.
Vielen Dank an Pia, Sandrine, Rosa und alle, die den Kleidertausch und Kinoabend mit vorbereitet haben!

Endlich mal Strom verstehen – Solaranlagen selber bauen

Am Sonnabend fand unser Workshop rund um das Thema Solaranlagen-Selbstbau statt.
Marcus Heeg, Diplom-Ingenieur für Regenerative Energiesysteme, und begeisterter Selbst-Bastler, kam ins Wurzelwerk, um mit uns eine kleine Photovoltaik-Anlage aus gebrauchten Teilen zusammenzubauen.

Eigentlich hatten wir ihn eingeladen, um eine Micro-Windkraftanlage mit uns zu bauen, weil er damit ebenfalls schon Erfahrung hat. Nachdem er uns aber erklärt hatte, dass wir in Dresden in einem besonders schwachen Windgebiet leben, entschieden wir uns dann doch für Photovoltaik.

Im Workshop starteten wir mit einer Einführung in die Grundlagen der Elektrotechnik. Den meisten von uns wurde an der Stelle (mal wieder) klar, dass Strom uns überall umgibt – aber wir ihn so gut wie nicht verstehen. Alle hatten viele Fragen dazu, wie man beim Selbstbasteln Kabel richtig anschließt (stabile Verbindungen, + oder – zuerst, Schutzleiter etc.) wofür die verschiedenen Kenngrößen (Spannung, Stromstärke, Widerstand, Leistung etc.) stehen und was die Unterschiede zwischen den verschiedenen Stromarten sind (12V, 24V, 230V, Gleich- und Wechselstrom etc.).

Danach erklärte Marcus uns (fast) alles über Akkus: Welche verschiedenen Typen von Akkus es gibt, welche davon umweltschädlich sind (Lithium-Ionen, Blei-Säure, Cadmium usw.) und welche nicht so (Nickel-Eisen, Salzwasser u.a.) und wie man sie so nutzt, dass sie möglichst lange halten (richtiges Laden, nur teilweises Entladen etc.).

Mit diesem Vorwissen sprachen wir darüber, wie man das richtige Solarmodul und die richtigen Akkus für die jeweiligen Geräte findet, die man betreiben möchte und unter welchen Voraussetzungen Speicherung sinnvoll sein kann und wann man eher darüber nachdenken sollte, überschüssigen Strom ins Netz einzuspeisen.

Nachdem wir das Anschließen von Kabeln (Abisolieren, Löten, Crimpen usw.) ausprobieren konnten und gefühlt ein Dutzend verschiedene Crimpzangen kennengelernt hatten, konnten wir Marcus noch darüber ausfragen, welche rechtlichen Aspekte man bei der Netzeinspeisung beachten muss und welche technischen Voraussetzungen man dafür braucht. Dabei erklärte Marcus uns auch, warum es Steuerbetrug wäre, dabei nicht den richtigen Zähler zu verwenden (Strom aus der Steckdose ist offenbar offiziell mehr wert, als selbsterzeugter).

Dann bauten wir unsere Anlage zusammen: Ein 150-Watt-Solarmodul, ein Solarladeregler, ein Akku und zunächst eine Lampe zum Ausprobieren. Anhand der Anzeige eines angeschlossenen Multimeters konnten wir die Intensität des fließenden Stroms sehen. So konnten wir ausprobieren, was passiert, wenn Teile des Moduls verschattet werden: Der Stromfluss nimmt überproportional ab, weshalb es so wichtig ist, dass Solarmodule immer komplett schattenfrei und sauber sind. Als Erweiterung schlossen wir noch einen Spannungswandler und einen Heißluftföhn an, um auch hier den Stromfluss zu untersuchen.

Zu guter Letzt zeigte Marcus uns noch, wie man die Einspeisung ins Netz schaltet und erklärte uns, wie man die Qualität gebrauchter Solarmodule und Akkus erkennen kann, warum man für empfindliche Elektronik auf jeden Fall Spannungswandler mit sogenanntem “reinen (nicht modifizierten) Sinus” braucht und alles andere, was wir wissen wollten. Bei all dem ging Marcus immer sowohl darauf ein, wie Dinge laut Lehrbuch aus neuen Teilen gebaut werden, als auch darauf, wie man sie aus gebrauchten Teilen selbst basteln kann – und mit welchen Kosten man jeweils rechnen kann.

Bevor wir alles wieder vergessen haben, wollen wir jetzt die Anlage – um ein weiteres Modul auf 300W ergänzt – auf die neue Workshopküche, das Koko, bauen, sodass sie dort die Kühlschränke mit selbsterzeugtem Strom betreiben kann.

Vielen Dank an Marcus für die vielen guten Antworten, Schaubilder, Handouts und Erklärungen!
Wir empfehlen hiermit unbedingt, ihn für Seminare zu buchen ;-)

Und für alle, die sich zum Selberbasteln selbst weiter belesen möchten, empfehlen wir das Einfälle-statt-Abfälle-Heft “Solarstrom in 12-Volt-Anlagen” von Michael Daniek.

Permakultur ist mehr als Gärtnern

– Grafik: adaptiert von David Holmgren: holmgren.com.au –

Seit über vierzig Jahren gibt es jetzt die Idee der Permakultur, die kluge Methoden aus verschiedenen Bereichen mit ethischen Grundlagen zusammenbringt, um ganzheitlich nachhaltige Lebensumgebungen zu schaffen. Was die Begründer Bill Molisson und David Holmgren sich Ende der Siebziger Jahre vor allem in Bezug auf Landwirtschaft überlegt haben, wenden mittlerweile immer mehr Menschen auf alle Bereiche des menschlichen Lebens an. Kein Wunder: Die Klimakatastrophe, Energie- und Wirtschaftskrisen und nicht zuletzt Pandemien machen deutlich, dass wir als Gesellschaft alle unsere Lebensbereiche grundlegend verändern müssen, um weiter auf dem Planeten leben zu können.

Am Samstag hatten wir Vera Hemme von der Permakultur Akademie eingeladen, an einem Tag die Grundlagen des komplexen Ansatzes der Permakultur zu erklären. Der Workshop fand diesmal nicht im Wurzelwerk, sondern im hechtgruen statt – weil wir das Wurzelwerk für das ganze Wochenende der Permakultur Akademie für ein Kurs überlassen hatten: Im Rahmen der Weiterbildung Permakultur Design kam eine Kursgruppe, zusammengesetzt aus Teilnehmer:innen aus verschiedenen Regionen, von Donnerstag bis Sonntag in Wurzelwerk. Die Weiterbildung dauert ein bis drei Jahre und die Teilnehmer:innen haben die Grundlagen der Permakultur vorher schon in einem 72-Stunden-Kurs gelernt.

Nun hatte Vera bei unserem Workshop im hechtgruen die Aufgabe, das in acht Stunden zusammenzufassen. Sie erklärte zunächst, dass das Konzept auf den drei ethischen Grundlagen

  • Earth Care (Ökologische Nachhaltigkeit),
  • People Care (Soziale Nachhaltigkeit) und
  • Fair Share (Ökonomische Nachhaltigkeit)

beruht und wie dabei systemische, prozesshafte Gestaltungsansätze angewandt werden, um Gärten, genau wie Bildungsangebote, Wirtschaftssysteme oder das persönliche Leben so gestalten zu können, dass sie in Einklang mit der menschlichen und nichtmenschlichen Umwelt kommen können.

Grundlage einer nachhaltigen Gestaltung ist immer eine ausführliche Beobachtung: Wie funktioniert das System, das gestaltet werden soll, im Moment (was passiert zum Beispiel bisher auf der Fläche), welche Schwierigkeiten und Potenziale hat es, welche inneren Logiken – und welche Vorbilder gibt es in der Natur, solche Systeme nachhaltig zu gestalten.

Als Hilfsmittel für die anschließende Gestaltung sind verschiedene Permakultur-Gestaltungsprinzipien entstanden. Die Methoden, die man dabei für die Konzeption, Umsetzung und Verbesserung anwendet, wurden und werden aus hilfreichen Ansätzen des Projektmanagements, der Landschaftspflege, Psychologie und anderen Feldern adaptiert und in ganzheitliche Prozessmodelle gebracht.

Vera ging die Schritte eines ganzheitlichen Gestaltungsprozesses mit uns durch, wobei klar wurde, dass die Prozessmodelle nicht von irgendwoher kommen, sondern viel von dem widerspiegeln, was man oft “gesunder Menschenverstand” nennt, dabei aber Aspekte bewusst machen, die sonst oft hinten runter fallen.

Durch Beobachtungsübungen, Kleingruppenarbeiten, Übersicht gebende Tafelbilder, ergänzender Literatur und dem einen oder anderen erhellenden Pausengespräch (die werden in der Permakultur bewusst besonders unterstützt) konnten die Teilnehmenden das Konzept kennenlernen oder ihr Verständnis darüber vertiefen. Die Rückmeldungen waren sehr positiv, die Teilnehmer:innen haben viele Aha-Erlebniss gesammelt. Es scheint also gelungen zu sein, die wichtigsten Aspekte der Permakultur an einem Tag zu vermitteln.

Und da die Nachfrage drei mal so hoch war, wie die Anzahl der Plätze, die wir anbieten konnten, führte Vera den Workshop am Sonntag gleich nochmal mit einer neuen Gruppe durch :-)

Wer sein Verständnis der Permakultur vertiefen möchte, dem seien die dreitägigen Einführungskurse, oder die zehn- bis 14tägigen Permakultur-Design-Kurse empfohlen, die ihr im Kurskalender der Permakultur-Akademie findet.

Gärtnern ist politisch – und verbindend

Letzten Freitag machten wir uns auf zur Exkursion in die Internationalen Gärten in der Johannstadt.
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Christian Bärisch, selbst im Vorstand und Garten aktiv, führte uns durch den Gemeinschaftsgarten in dem das interkulturelle Gärtnern im Fokus steht. Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, mit und ohne Fluchterfahrung kümmern sich hier um ein ca. 4000 m² großes Stück ehemalige Brachfläche. Dabei gibt es neben gemeinschaftlicher Infrastruktur vor allem Einzelbeete. Jede*r soll die Möglichkeit haben, über das Gärtnern langsam anzukommen, selbst zu entscheiden, wann und wie viel man sich einbringt.
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Bei einer so bunten Mischung verlangen manchmal die alltäglichen Begegnungen im Garten Verhandlungsgeschick. Das Gärtnern ist dann schon Politik im kleinen Maßstab: Oft müssen erst die sozialen Fragen geklärt werden, bevor es auch um ökologische Aspekte gehen kann.
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Hauptsache Ertrag – gern auch mit mineralischem Dünger oder doch lieber ressourcenschonend und biologisch? Welche Regel wollen wir uns als Gemeinschaft geben und wie miteinander umgehen? Da heißt es andere Kulturen kennenlernen, bewusst aufeinander zugehen, auch mal Unterschiede aushalten können und dennoch eine gemeinsame Richtung finden. Dabei untereinander freundlich und offen bleiben: Das ist – auch wenn es meist erstaunlich konfliktfrei zugeht – laut Christian oft erstmal genug Herausforderung. Demokratie gelernt und gelebt im Kleinen.
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Vielen Dank für einen spannenden Abend voller neuer Einblicke. Besonders freut mich, dass wir durch die Führung einer Gruppe aus Pirna Einblick in den Garten geben konnten, die selbst gerade mit der Gründung eines Internationalen Gartens beschäftigt ist. Immer schön, wenn gute Ideen weiter getragen werden!

Warum mehrjähriges Gemüse so toll ist

Am Samstag fand endlich unser erster Workshop der Saison statt. Nachdem er coronabedingt um zwei Monate verschoben werden musste, konnten wir ihn jetzt unter strengen Hygiene-Regeln durchführen.

Unsere Referent*innen Christiane Kupfer und Volker Croy erzählten uns viel wissenswertes über mehrjährige Gemüsestauden und wie man sie unter Obstbäumen pflanzt, um sogenannte Obstbaumlebensgemeinschaften zu erzeugen.

Das faszinierende: Mehrjähriges Staudengemüse kann folgende Vorteile bieten:

  • jedes Jahr weniger Arbeit (wenn sie angewachsen und etabliert sind, werden sie von alleine größer, man muss sie nicht jedes Jahr neu aussähen, vorziehen, Boden vorbereiten, pflanzen usw.)
  • sie können über Stecklinge vermehrt werden (was viel schneller geht, als über Samen)
  • weniger Bodenbearbeitung (viele Mehrjährige verbessern den Boden kontinuierlich selbst, statt ihn auszulaugen, weil sie ja länger dort leben wollen)
  • der Boden ist ständig bedeckt, was dem wertvollen Bodenleben zu Guten kommt, vor Verdunstung schützt, kühlt und vielen verschiedenen Tierarten jederzeit Nahrung und Lebensraum bietet
  • sie sind meist weniger anspruchsvoll, als einjähriges Gemüse und können deshalb auch unter Obstbäumen wachsen
  • sie können junge Bäume davor schützen, von Gras umwuchert zu werden, dass ihnen das Leben schwer macht
  • da die meisten nicht so hochgezüchtet sind, wie unsere einjährigen Kulturgemüse, enthalten sie besonders viele gesunde Vitamine, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe

Nach dem spannenden theoretischen Teil pflanzten wir gemeinsam auf dem Geländer des neuen UFER-Projekts “Alte Gärtnerei” die vielen mitgebrachten Stauden unter die Obstbäume.

Vielen Dank an alle, die dabei waren und geholfen haben!

Offene Gartenzeit und Bildungsangebote wieder möglich

Ab heute gilt eine neue Corona-Schutz-Verordnung in Sachsen.

Sie besagt grundsätzlich, dass das Bestreben bestehen bleibt, physische Kontakte zwischen Menschen, die nicht zusammen wohnen, auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Mindestens 1,5 Meter Abstand bleiben weiterhin geboten und in vielen geschlossenen Räumen Mund-Nasen-Bedeckungen wichtig.

Was für uns im Garten wichtig ist, sind die Neuerungen, dass folgendes jetzt auch wieder geht (Angaben ohne Gewähr):

  • Begegnungen (drinnen und draußen) zwischen zwei kompletten Hausständen ohne Abstand
  • der Besuch von Außenanlagen von Botanischen sowie Zoologischen Gärten
  • Bildungsangebote und soziale Beratung mit Hygienekonzept
  • notwendige Vereinssitzungen

Workshops wieder möglich

Wir können also wieder Workshops und andere Bildungsangebote für Erwachsene im Garten anbieten. Das werden wir mit dem Hygiene-Konzept verbinden, dass es die Möglichkeit zum Händewaschen oder -desinfizieren gibt, Abstand gehalten wird, Essen selbst mitgebracht wird, eventuell anwesende Kinder bei ihren Erziehungsberechtigten bleiben und evtl. Mund-Nasen-Schutz getragen wird.

Unser nächsten Workshops findet ihr hier.

Auch über Kinoabende mit Bildungsanspruch denken wir jetzt wieder nach.

Plenum im Garten?

Wir werden demnächst ein Treffen der UFER-Orga-Gruppe im Garten abhalten, weil die als erweiterter Vereinsvorstand ziemlich eindeutig unter “notwendige Vereinssitzungen” fällt.

Ob wir Plena im Garten abhalten dürfen, ist allerdings weiterhin unklar. Bis das nicht eindeutiger ist, bleiben wir damit lieber im digitalen Konferenzraum.

Offene Gartenzeit und Offene Beratung für alle Interessierten

Die Gartenzeit und die Beratung für soziale und Projektanliegen kann jetzt also, bis auf das nach wie vor wichtige Abstandhalten und Händewaschen, wieder normal laufen.

Wir schalten das Angebot der telefonischen Beratung also erst mal wieder ab und heißen euch im Garten willkommen:

Dienstags zwischen 15:30 – 19:30. (Für Beratungsanliegen ist es gut, einen Termin auszumachen, weil wir nicht immer die ganze Zeit da sein können und damit ihr nicht gleichzeitig kommt.)

Gemeinsames Entspannen im Garten

Mit Mitgliedern eures Hausstandes und denen eines weiteren Hausstandes könnt ihr euch im Garten entspannt aufhalten. Kommt nur den anderen Leuten im Garten bitte nicht zu nahe ;-)

Blog-Artikel zum nachhaltigen Selbermachen und zum solidarischen Umgang mit der Krise

Unsere Blog-Artikel aus den letzten Wochen könnt ihr natürlich weiterhin auf ufer-projekte.de lesen: